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Digitalisierung – Krieg in Parallelwelten

Digitalisierung ist ein Thema, das uns alle genauso betrifft, wie zum Beispiel Umweltverschmutzung. Dieser Vergleich ist weniger an den Haaren herbeigezogen, als man zunächst vermuten mag. Eine Wahrheit über die Digitalisierung.

Digitalisierung bringt uns alle weiter

Mittlerweile gibt es kaum Bereiche des täglichen Lebens, die wir uns nicht durch technische Hilfen erleichtern können. Ob selbstfahrende Autos, Drohnen (wie zum Beispiel Quadrocopter), Smartphones oder das gute alte Radio – überall bieten uns Gerätschaften ihre Hilfe an. Entweder versprechen Sie uns mehr Produktivität oder mehr Überblick oder auch schlicht einfach ein gutes Gefühl. Neben „nice-to-have“-Technik hat die Menschheit auch buchstäblich Überlebenswichtiges geschaffen. Die Anwendungsfelder reichen von der Agrarwirtschaft bis Medizin und Wissenschaft. Neben einfachen technischen Neuerungen wie Maschinen und Geräten kommt die nächste Stufe, die Digitalisierung hinzu. Dinge werden vernetzt, programmiert, ferngesteuert, teils mit einer künstlichen Intelligenz (KI) versehen. Die ersten semi-autonomen Roboter sind schon in den ersten Laboren unterwegs.

Was alles positiv klingt und durchaus seine Existenzberechtigung hat, dem liegen auch berechtigte Kritikpunkte zugrunde. Weniger aus technischer Sicht, mehr aus der Erfahrung heraus, wie sich Menschen mit ihren Möglichkeiten verhalten.

Technik muss einen Zweck erfüllen

Es ist beileibe kein Geheimnis, dass eine Vielzahl technischer Neuerungen und Erleichterungen ausschließlich auf die Anstrengungen zurückzuführen sind, möglichst effizientes Kriegsgerät bereitzustellen. Einer der wohl berühmtesten Vertreter dieser Art ist die gute alte Mikrowelle. Kaum ein Haushalt kommt mittlerweile ohne Mikrowellenkochgerät aus. Was zuvor für hochsensible und höchst gefährliche Anwendungsbereiche gedacht war, wandelte sich mit der Zeit zu einem Haushaltshelfer für die dynamische Familie und noch mehr für den hartgesottenen Single.

Einblick: Ursprung der Mikrowelle

Das Kernelement der handelsüblichen Mikrowelle bildet das Magnetron, ein Mikrowellenerzeuger. Diese Komponente wurde ursprünglich in Großbritannien entwickelt und sollte nicht zum Aufwärmen von Lasagne oder zum Auftauen von Fleisch nutzbar gemacht werden. Sein Einsatzbereich waren Radargeräte. Finanziell gefördert wurde das Vorhaben durch die USA und Großbritannien. Die Japaner hatten zur gleichen Zeit weniger passive Ziele mit dem Magnetron. Japans Intention war die Entwicklung sogenannter Strahlenwaffen.

Das Ende des Zweiten Weltkriegs markierte weitestgehend auch das Ende der Anstrengungen, das Magnetron primär für die moderne Kriegsführung attraktiv zu machen. Je nach gesellschaftlicher Stimmung und Orientierung fand die Mikrowellentechnologie neue (zivile) Anwendungsbereiche. In den USA erfolgte die Erforschung weiterer Anwendungsmöglichkeit auf Zwang der US-Regierung. Der größte US-amerikanische Magnetronhersteller Raytheon war der Pionier in der Umgestaltung des Magnetrons, indem es das Magnetron für Kochzwecke umwandelte. Diese Entwicklung wurde durch das Ausbrechen des Koreakrieges 1950 vorläufig vollends ausgebremst. Es dauerte über 15 Jahre, bis diese zivile Anwendung wieder in den Fokus rückte.

Mittlerweile hat die gute alte Mikrowelle fast in jedem zivilen Haushalt Position bezogen.

Diese Entwicklung beschreibt sehr deutlich, wie schmal der Grat ist, zwischen positiver und verheerender Nutzung menschlicher Erfindungen und Errungenschaften. Immer wieder abhängig von ökonomischen, sozialen und politischen Strömungen und Stimmungen, entscheidet sich innerhalb kurzer Zeit, ob eine aktuelle Entwicklung zur Bereicherung oder zur Vernichtung eingesetzt wird.

Optimismus! Wir haben die besten Voraussetzungen

Die westliche Welt lebt seit vielen Jahren – größtenteils – in Frieden. Die zivile Bevölkerung fordert folglich Entwicklung und Einsatz für zivile und humanitäre Zwecke ein. Kriegsgespenster sollen möglichst lang ferngehalten werden. So hat sich in unseren Breiten eine ganze Digitalisierungsindustrie gebildet, die sich der nächsten Stufe möglicher technischer Neuerungen verschrieben hat. Durch die immer weiter wachsenden Möglichkeiten der Digitalisierung stehen uns Möglichkeiten offen, unseren persönlichen Alltag, den Geschäftsalltag oder unseren Einsatz in charitativen Einrichtungen zu organisieren – oder am besten direkt miteinander zu verknüpfen. Technische Geräte werden intelligenter, aus der Ferne kontrollierbar. Selbst Operationen am offenen Herzen gelingen mittlerweile erfolgreich per Remote-Verbindung. Dank Digitalisierung wird aus tausenden Kilometern Entfernung operiert.

Eine tolle Sache, wie ich finde! Es gibt so viele Möglichkeiten! Und doch verweigern sich so viele Menschen aufgrund in Sommerlöchern heraufbeschworener Datenschutzhysterie und Technophobie anzunehmen, was die Menschheit möglich gemacht hat. Hinzu kommt außerdem das wieder aufflammende Säbelrasseln zwischen West und Ost. Wer im Recht ist und wer die richtigen Ziele verfolgt, das ist nicht einfach in Schwarz-Weiß-Malereien darzulegen – und somit wieder Futter für technophobe Hysteriemedien allenthalben. Umso länger der Kanon innerhalb der täglichen Informationsfluten besagt, dass wir Angst vor Fortschritt und Technologie haben sollten, desto weiter drängt sich der Mensch selbst zurück und beraubt sich auf diese Weise vieler möglicher Ziele in Technik, Medizin oder Industrie.

Fazit: Weitermachen!

So kompliziert, vielleicht verwirrend, aber auf jeden Fall blockierend die heutigen Zeiten auch sein mögen, das wichtigste Ziel muss es nunmehr sein, voranzugehen. Es können schon Kleinigkeiten sein, die den Alltag revolutionieren. Vielleicht irgendein Chip oder ein anderes Gadget, das dafür sorgt, viele Stress verursachende Tätigkeiten zuhause reduzieren oder optimieren können. Wer weiß?

Die Eier legende Wollmilchsau dürfen wir alle nicht erwarten. Aber wir müssen endlich wieder davon träumen!

Also: Auf zu neuen Träumen!

Sebastian Klaus